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Integrales Energie- und Wärmekonzept Jena 2050

EnEff:Wärme - Forschung für energieeffiziente Wärme- und Kältenetze

Fernwärmeleitungen im Jenaer Stadtbild

© Stadtwerke Energie Jena-Pößneck

Projektsteckbrief

Projektstatus Projektstatus: Phase 1Konzept
Standort der Kommune Jena, 07745 Jena, Jena, Thüringen
Kommune in Zahlen Fläche: 114 km²; Einwohnerzahl: 106.000
Träger Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH
Netzbetreiber Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH
Erzeugung GuD-Anlage mit KWK (nicht im Besitz der Stadtwerke Stadtwerken Energie Jena-Pößneck), 2 Biogas-BHKWs
Netzlänge Fernwärme: 118 km; Gas: 471 km
Wärme-/Kälteabnehmer private Gebäude, öffentliche Einrichtungen, Industriebetriebe
Projektthemen

Projektbeschreibung

Die Stadt Jena liegt im mittleren Saaletal in Ostthüringen auf fast 15 km Länge entlang der Saale. Mehr als 106.000 Menschen leben in der Universitätsstadt, ein knappes Viertel davon sind Studenten (Friedrich-Schiller-Universität und Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena). Darüber hinaus zeichnet sich die Stadt durch eine Vielzahl außeruniversitärer Forschungs-einrichtungen, einen Technologie- und Innovationspark, mehrere international agierende Firmen sowie eine Vielzahl neu- bzw. ausgegründeter Technologiefirmen als erfolgreicher Wirtschaftsstandort aus. Obwohl auch Jena nach 1990 einen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen hatte, ist diese Entwicklung weit weniger dramatisch als in anderen ostdeutschen Städten. Gegenwärtig stagniert die Einwohnerzahl mit leichter Tendenz nach oben; die demografischen Verhältnisse können als stabil bezeichnet werden. Die Lage der Stadt im Tal bedingt eine unter Immissionsgesichtspunkten problematische Luftaustauschsituation mit einem hohen Risiko von Inversionswetterlagen. Die Wärmeversorgung in Jena basiert daher weitestgehend auf den leitungsgebundenen Energieträgern Fernwärme (ca. 60 % aller Haushalte) und Erdgas. Das Fernwärmenetz ist geprägt durch die langgestreckte Tallage der Stadt und der zentralen Einspeisung aus dem Heizkraftwerk Jena Süd der Thüringer Energie AG im südlichen Bereich des Stadtgebietes, einem Gas- und Dampf (GuD)-Kraftwerk mit drei Maschinenreihen, das heute wärmegeführt betrieben wird. Ein Alleinstellungsmerkmal bildet das monozentrisch aufgebaute Fernwärmenetz mit einer nicht in Besitz des Netzbetreibers befindlichen Erzeugung an nur einem Standort, welche ab 2025 nicht mehr für die Fernwärmeversorgung zur Verfügung stehen wird.

Die Kommune

In Jena liegt eine hohe Kooperation und gemeinsame Koordination der Energiepolitik durch Kommunalverwaltung und Stadtwerke vor sowie ein gemeinsames langjähriges Engagement für die Umsetzung von Energieberatung. Ausdruck dafür sind z.B. die regelmäßigen Jenaer Energiegespräche, die wöchentliche gemeinsame Energiesprechstunde und die Förderung von bürgerschaftlichen Projekten wie aktuell dem Energiesparwettbewerb für Haushalte und Unternehmen (siehe Downloads). Jena ist außerdem „eea-Kommune in Gold“ mit zertifiziertem Energiemanagement. In Ergänzung zu den Aktivitäten zum Klimaschutz hat die Stadt eine Klimaanpassungsstrategie (JenKAS) entwickelt. Durch die 2003 durch die Stadtwerke Energie errichtete Klimaschutzstiftung Jena-Thüringen werden jedes Jahr besonders eindrucksvolle Projekte von Kindern und Jugendlichen bzw. den entsprechenden Trägern in einem Wettbewerb ausgezeichnet. Weitere Initiativen existieren z. B. zur Erhöhung der Anzahl an PV-Anlagen, zu Beratungen von Haushalten zum Thema Energieeffizienz sowie zur Mitwirkung beim Wettbewerbsprojekt Bioenergieregion des Saale-Holzland-Kreises.

Projektziele, strategische Aufgaben

Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Energie- und Wärmekonzeptes „EWK 2050“ ist die Kooperation mit der Stadtverwaltung und lokalen Politik sowie wichtigen Kunden und Stakeholdern. Als erstes Ergebnis wurde am 10. April 2014 der sogenannte „Zukunftspakt Fernwärme“ verabschiedet.

Ziel ist die Entwicklung eines integralen Energie- und Wärmekonzeptes, das zentrale effiziente und regenerative Energiequellen für Wärme, Gas und Strom mit dem Endkunden verbindet, die Erschließung dezentraler Quellen einbezieht, den Ausgleich der Wärmeabnahme- und -bereitstellungsstrukturen ermöglicht und so einen wesentlichen Beitrag zur kostengünstigen CO2-Minderung und Ressourcenschonung leistet. Leitidee ist dabei die Entwicklung eines kommunalen einspeise- und entwicklungsoffenen Energie- und Wärmeverbundsystems, welches flexibel die heutigen technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen umsetzen und auf zukünftige Herausforderungen reagieren kann. Es soll geprüft werden, ob es sinnvoll ist, die aktuelle monozentrische Fernwärmeerzeugung abzulösen durch eine Struktur, die sich auf mehrere Anlagen bzw. Standorte stützt und beispielsweise Abwärme nutzt. Der Zeithorizont der Untersuchung ist 2050. Neben der Analyse von Netzausbauoptionen wird es auch darum gehen, Liegenschaften und Quartiere zu identifizieren, die aufgrund der Bedarfssituation ab einem bestimmten Zeitpunkt zentral nicht mehr wirtschaftlich versorgt werden können. Insellösungen mit Mini- und Mikro-KWK-Systemen böten sich z. B. als Alternative an. Ein integrales nachhaltiges Zukunftskonzept für Energie und Wärme soll nicht nur die flexible Anpassung an eine künftige Energienachfrage ermöglichen, sondern darüber hinaus die aktive Gestaltung und Steuerung der Bedarfsseite beinhalten, z. B. durch eine zeitliche Rangfolge bzw. Abschätzung der festzulegenden Quartiere für eine energetische Gebäudesanierung, die partizipative Ansprache der betroffenen Akteure und eine intensive Kommunikation mit allen beteiligten „Stakeholdern“ über innovative Beteiligungs- und Finanzierungsmodelle. Dadurch können eine langfristige, dezidierte Planung erfolgen und die damit verbundenen Investitionsentscheidungen auf eine abgesicherte Basis gestellt werden. Dieses Wärmeverbundsystem wird eingebettet in eine Gesamtstrategie Energieeffizienz und Klimaschutz in Jena 2050. Diese Strategie umfasst außerdem die Verringerung des Gesamtenergiebedarfs in der Stadt Jena um 30 % (bezogen auf 2011), einen partizipativen nutzerbezogenen Ansatz zur Erhöhung der Akzeptanz und ein Bündel aufeinander abgestimmter Maßnahmen (organisatorische, finanzielle, Beteiligungsmodelle) zur Umsetzung unter flexiblen Rahmenbedingungen.

Arbeitsprogramm

Das Projekt gliedert sich in insgesamt 8 Teilmodule:

  • Modul 1 beinhaltet im Wesentlichen die Bestandsanalyse und Auswertung vorliegender Untersuchungen und wird als Ergebnis ein Gesamtbild der aktuellen Energie- und Wärmesituation Jena in allen Parametern aufzeigen.
  • Die Module 2, 3 und 4 sind eng aufeinander abgestimmt und beinhalten als ein wesentliches Kernstück des Vorhabens die Entwicklung von Projektionen und Szenarien zur Energie- und Wärmeversorgung für Jena in 2050.
  • In Modul 5 wird die eigentliche Konzeption und Strategieentwicklung für die Energie- und Wärmeversorgung der Stadt Jena 2050 erarbeitet. Dazu werden zwei unterschiedliche Zielsysteme entwickelt und die entsprechenden Entwicklungspfade in Prioritäten/Aktionsplänen/Erzeugungs- und Verteilungsstrukturen erarbeitet.
  • In Modul 6 erfolgt die Detaillierung und Ausarbeitung in spezifische technische und nichttechnische Maßnahmen und entsprechende Umsetzungskataloge.
  • Modul 7 dient der Vorbereitung und Planung der künftigen Umsetzung in ersten beispielhaften investiven Maßnahmen mit Demonstrationscharakter (Fokus auf ein bis zwei Stadtquartiere, ggf. Teilnetze).
  • In Modul 8 werden die Indikatoren für das Monitoring der künftigen Umsetzung und Zielerreichung erarbeitet.