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18. Mai 2010 - Premiere von EnEff:Wärme auf den Berliner Energietagen

Ausf�hrliche Beschreibung

Dr. Knut Kübler vom BMWi erläuterte zunächst Kontext und Zielsetzung der neuen Forschungsinitiative. Anschließend zeigten die Fachreferenten aus Energiewirtschaft, Wissenschaft und Interessenverbänden neue Entwicklungslinien auf dem Gebiet der leitungsgebundenen Wärmeversorgung auf.

 

Mit dem Beitrag von Dr. Maren Hille (BDEW) erschloss sich die Bedeutung der Fernwärme für die nationale Klimaschutzstrategie. Immerhin waren im Jahr 2008 fast 5 Millionen Haushalte an die Fernwärmeversorgung angeschlossen. Allgemein hat die Fernwärme in Verbindung mit Kraft-Wärme-Kopplung ein CO2-Einsparpotenzial von bis zu 48 % gegenüber der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme. Die Bundesregierung fordert in ihrem Integrierten Energie- und Klimaprogramm eine Verdoppelung des Anteils von Strom aus KWK bis 2020 auf ca. 25 %. Der Ausbau der KWK und der erneuerbaren Energien erfordern aber in beträchtlichem Ausmaß die Umwandlung von Einzelheizungen in netzgebundene Wärmeversorgungen.

 

Dr. Stephan Richter (GEF Ingenieur AG) berichtete über eines der ersten Pilotprojekte von EnEff:Wärme, der „Fernwärmemodellstadt Ulm“. Kern des Projekts ist die Optimierung der dortigen Fernwärmeversorgung. Dazu wird gemeinsam mit der Fernwärme Ulm GmbH an einer Reduzierung der Vorlauftemperatur der örtlichen Universitätsleitung sowie an der Absenkung der Netztemperaturen, v.a. der Rücklauftemperatur bei der Versorgung von Neubauten und sanierten Altbauten gearbeitet. Ziel ist ein LowEx-Fernwärmenetz mit Rücklauftemperaturen zwischen 25 und 65 °C. Das neue Ulmer Wohnquartier „Lettenwald“ (Baubeginn 2011, ca. 1.000 Wohneinheiten) soll künftig über ein solches Netz mit Wärme versorgt werden.

 

Prof. Dr. Clemens Felsmann (TU Dresden) betrachtete in seinem Beitrag das Fernwärmenetz als Baustein eines intelligenten Energiemanagements. Aktuell werde an multifunktionalen Fernwärmesystemen, dem Einfluss sinkender Vorlauftemperaturen auf die Gebäudetechnik sowie an der Verbesserung der Einsatzchancen von Fernwärmesystemen geforscht. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Einbindung dezentraler Wärmequellen, um fossiler Energieträger zu substituieren und den Anteil regenerativer Energien zu erhöhen. Mit „Smart Grids“ in der Fernwärmeversorgung ist die Vernetzung von Wärme- und Stromerzeugern, Energiespeichern, Wärme- und Stromabnehmern sowie sonstigen Betriebseinrichtungen in Energieübertragungs- und –verteilnetzen angestrebt. Sie soll den Datenaustausch, die Kommunikation und Steuerung sowie die Überwachung und Optimierung der Einzelkomponenten verbessern.

 

Der Vortrag von Martin Pokojski (Vattenfall Europe) machte deutlich: Fernwärme-basierte Gebäudekühlung auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung vermeidet effektiv den Einsatz der Edelenergie Strom zur Kälteerzeugung. In einem Forschungsverbundprojekt mit der TU Berlin und Industriepartnern geht es um die Entwicklung neuer Absorptionskältesysteme für die Gebäudekühlung unter Verzicht auf die Lufttrocknung. Für die Kälteverteilung sollen innovative Wärmetauscher wie Kühldecken und neue Heizkörpersysteme mit Zusatzlüfter zur Temperaturhaltung eingesetzt werden. Die Systeme werden seit Sommer 2009 in zwei Bürogebäuden in Hamburg und Berlin getestet. Ein bundesweiter Testbetrieb ist für 2010 vorgesehen, die Markteinführung für 2011 geplant.

 

Dr. Stefan Holler (MVV Energie) referierte zum Abschluss der Veranstaltung über kostengünstigen Fernwärmetransport für den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung. In dem Projekt der MVV geht es um die Bereitstellung von Wärme aus besonders effizienten und kostengünstigen KWK-Großanlagen, um die intelligente Nutzung von Fernwärmetransportleitungen und nicht zuletzt um die Senkung der Baukosten bei der Verlegung von Kunststoffmantelrohrsystemen. Damit soll der Fernwärmeanteil vor allem in der Fläche, d.h. in weniger dicht besiedelten Gebieten erhöht werden. Im Bereich des Fernwärmetransports werden technische Lösungsansätze an der Transportleitung zwischen dem Großkraftwerk Mannheim und dem Heizwerk Speyer untersucht. Bautechnische Untersuchungen und Demonstrationsverlegungen finden derzeit in der Altstadt von Speyer mit ihrer historischen, sehr dichten Bebauung statt, Versuchsverlegungen im Außenbereich. Die Projektergebnisse sollen in einer Umdrucksammlung „Bautechniken Fernwärmeverteilung“ sowie einer Checkliste für den Planungsingenieur publiziert werden.


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