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18. Feb 2011 - Begleitforschung trifft Praxis: Experten-Workshop diskutiert Erwartungen der Kommunen

Ausf�hrliche Beschreibung

Der Workshop vermittelte den Gästen einen Überblick über den Stand der energetischen Stadt- und Quartiersplanung in Deutschland sowie über die Ziele und ersten Ergebnisse der BMWi-Forschungsinitiative. Mit dem Konversionsprojekt „Parkgelände Bad Aibling“ und dem energetischen Quartierskonzept „Altes Zöllnerviertel Weimar“ wurden Pilotprojekte mit unterschiedlichen räumlichen Voraussetzungen und Nutzungsanforderungen präsentiert.

Im Rahmen von EnEff:Stadt werden Bewertungskriterien, Konzepte und Planungshilfsmittel für Kommunen und weitere Akteure wie Wohnungswirtschaft und Stadtwerke erarbeitet. Die Entwicklung und Erprobung von Planungswerkzeugen und Steuerungsinstrumenten ist ein Forschungsschwerpunkt. Beispielhaft wurden dazu der aus dem Schweizer Programm „energiestadt“ hervorgegangene European Energy Award (eea), der Energienutzungsplan für den Landkreis München sowie der Energiekonzept-Berater für Stadtquartiere vorgestellt: Ziel des Energienutzungsplans ist die planerische Abwägung und Abstimmung von Einzelmaßnahmen auf der Ebene der Flächennutzungsplanung. Dazu werden die siedlungsbezogenen Energiebedarfe abgeschätzt und grafisch in ein Kartenwerk übersetzt - analog dem Flächennutzungsplan. Es dient neben einer Bestands- und Potenzialanalyse als Entscheidungshilfe für die kommunale Energieplanung. Der Energiekonzept-Berater ist noch weniger ein Fachplanungsinstrument. Er soll bereits in der Phase der Vorplanung auf Grundlage einfacher Datenermittlung – zum Beispiel per Benchmarktools - Qualitätserkenntnisse in quantitative Aussagen überführen. So lassen sich schon frühzeitig die energetischen Potenziale eines Stadtquartiers bewerten und auf der Basis typisierter Kennzahlen auch gebäudescharfe Aussagen treffen. Die energetische Bewertung des Quartiers soll über typische Aufwandszahlen nach DIN V 18599 erfolgen und könnte in einen „Energieausweis für Stadtquartiere“ münden.

Weiterer Schwerpunkt von EnEff:Stadt ist der Transfer dieser Umsetzungshilfen in die kommunale Praxis: Durch Veröffentlichung auf der Webseite der Forschungsinitiative sowie mittels Leitfäden und Forschungsberichten.

Produktiver Erfahrungsaustausch

In der Diskussion wurde die immer noch sehr niedrige Sanierungsrate in den Kommunen problematisiert. Die Sanierung der städtischen Verwaltungsgebäude und weiterer kommunaler Einrichtungen als Bestand mit Vorbildwirkung ist allein nicht ausreichend. Die Motivation weiterer Eigentümer muss neben finanziellen Anreizen durch Förderprogramme im Zentrum stehen. Denn in der kommunalen Realität trifft der Planer gerade in gewachsenen Altbauquartieren auf kleinteilige Eigentümerstrukturen mit oft divergierenden Interessen. Hier kann Forschung prozessorientierte Hilfestellung leisten und Erfahrungen aus Projekten wie dem eea vermitteln, in denen unter anderem die Mobilisierung und Vernetzung der verschiedenen Akteure besonders wichtig war.

Zu oft scheinen sich kommunale Klimaschutzkonzepte und ihre Umsetzung an aktuellen Förderrichtlinien zu orientieren. Für deren Erfolg ist nicht nur die ingenieurtechnische Analyse wichtig, sondern auch die laufende und langfristig angelegte Erfolgsbilanzierung sowie eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit, die Entscheider sensibilisiert und lokale Akteure einbindet. Für die Initiierung und Umsetzung kommunaler Klimaschutzstrategien sind kompetente und entscheidungsbefugte kommunale Träger wichtig, die sogenannten „Kümmerer“ vor Ort. Neben den Verwaltungen sind Energieagenturen als Berater und Multiplikatoren eine wichtige Zielgruppe.

Durch die Förderung kommunaler Klimaschutzkonzepte und des Klimaschutzmanagers in Kommunen wird dieser Prozess unterstützt. Er muss jedoch mit Qualifizierungsangeboten flankiert werden. Es wäre denkbar, solche Angebote in einem „Impulsprogramm Klimaschutz“ – getragen von Bund und/oder den Ländern – zusammenzufassen. EnEff:Stadt kann hierzu beitragen, indem es die Erfahrungen der kommunalen Praxis in seine Pilotprojekte integriert und Hilfsmittel wie Planungsleitfäden bereitstellt.

Kompetentes Personal allein löst jedoch nicht alle Probleme. Die unterschiedlichen Effizienzpotenziale machen deutlich: Es müssen individuelle Konzepte und Strategien, ein eigener Fußabdruck gefunden werden. Durch EnEff:Stadt könnte hierzu aus Sicht der Kommunen auch konzeptionelle Vorarbeit geleistet werden; zum Beispiel zum Thema „lokale Wertschöpfung“. Denn vor allem wirtschaftliche Argumente überzeugen die kommunalen Entscheider wie Bürgermeister, Verbände und Energieversorger. Dazu zählen Ansiedlungserfolge, Nachfrageeffekte, zum Beispiel durch verstärkte Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen sowie ein erhöhter Bekanntheitsgrad.

Der konkrete Nutzen der vorgestellten Planungshilfen wäre aus Sicht der Kommunen besser darstellbar, wenn mit Energienutzungsplan und Energiekonzept-Berater auch EnEff:Stadt-Pilotprojekte begleitet und validiert werden würden. Das Angebot eines Tests für die Anwendung des Energiekonzept-Beraters in kommunalen Planungsvorhaben stieß bei den Praktikern auf Interesse.

Fazit

Am Ende des Workshops stand die Erkenntnis, dass dies ein offener und für beide Seiten sehr hilfreicher Erfahrungsaustausch war, der periodisch fortgesetzt werden sollte. Es wurde klar, dass die Forschungsinitiative EnEff:Stadt gegenüber der Gebäudeebene und dem Einsatz innovativer Einzeltechnologien nicht nur den Planungshorizont, sondern auch die System- und Bilanzgrenzen erweitert: In ihren Pilotprojekten werden Erfahrungen zu energieoptimierten Gesamtsystemen, zu integralen Planungsprozessen und kostenoptimierter Realisierung gesammelt. Für die künftige Ausrichtung der Forschungsinitiative wurden neue Stichworte genannt: Mobilisierung der Entscheider, ihre Qualifizierung und Vernetzung, neue Steuerungsmöglichkeiten für kommunale Energieplanungen und ihre laufende Qualitätssicherung.


Zusätzliche Informationen: