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22. Jan 2014 - EnEff:Stadt-Kongress 2014: Forschung als Labor der kommunalen Energiewende

Ausf�hrliche Beschreibung

 
Zu den Sonderseiten "EnEff:Stadt-Kongress 2014":
 

Die Vorträge zum Download

Die Referenten in Text und Bild

Der Exkursionsführer: Daten und Fakten zu Berlin-Adlershof

Impressionen von Exkursion und Abendveranstaltung in Adlershof

 

 

"Kommunale Beiträge zur Energiewende" lautete auch das Motto des zweiten EnEff:Stadt-Kongresses. Schließlich entscheiden die Kommunen bei der Umsetzung der Energiewende in Deutschland: Sie entscheiden über Versorgungsstrukturen, Bebauungspläne und energetische Standards in öffentlichen  Gebäuden. Der Einsatz neuer Technologien und moderner Planungsinstrumente kann diesen Gestaltungsspielraum deutlich erweitern. Hier genau setzt die Forschungsinitiative EnEff:Stadt an - durch die Vernetzung energetischer Gebäudesanierung mit dezentralen kommunalen Versorgungstechnologien sowie der Entwicklung neuer Planungsmethoden und Instrumente für Stadtquartiere. Seit 2007 unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) diese Bemühungen.

Neue Rahmenbedingungen und urbane Potenziale

Zu Beginn der Veranstaltung betonte Dr. Georg Menzen (BMWi), dass das Thema "Energie" in der anstehenden Legislaturperiode einen noch höheren Stellenwert genießen wird. Dazu soll eine Neustrukturierung der Zuständigkeiten und Fachprogramme die bisherige Zersplitterung überwinden. Konsens ist, dass die Energiewende neben der Integration der Erneuerbaren Energien vor allem die Effizienzsteigerung beinhaltet. Und: Ihre Ziele seien nicht allein durch Innovationen erreichbar. Erprobung und breite Markteinführung sind entscheidend für den Erfolg. Diese Prozesse werden unter anderem durch die Forschungsinitiative EnEff:Stadt und ihrem breiten Projekt- und Akteursspektrum eindrucksvoll befördert.

In seinem Einführungsvortrag machte Heiner Farwick, neugewählter Präsident des Bundes Deutscher Architekten, deutlich, dass Städte Hauptverursacher des Klimaproblems sind und zugleich über das Potenzial verfügen, die Energiewende zu prägen. Ganzheitliche kommunale Strategien seien erforderlich, ein Paradigmenwechsel vom Einzelgebäude hin zum Quartier. Dafür gibt es viele gute Gründe. Doch in der konkreten Bearbeitung sind noch viele Fragen offen: Wie kann die Energiewende im Quartier gelingen - baulich-ökologisch und zugleich sozial? Wie können die vielfältigen Akteure partizipieren? Wie lassen sich die Veränderungsprozesse steuern? Wer ist Träger der neuen Entwicklung? Architekten und Stadtplaner haben hier eine zentrale Rolle. Hinzu kommen Faktoren wie adäquate politische Rahmenbedingungen, eine angepasste Förderpolitik, qualifizierte Behörden, ganzheitliche Konzepte sowie innovative Projekte, die gute Beispiele schaffen. Einige davon präsentierte er aus eigener Praxis. Aus Sicht von Heiner Farwick ist der Dreiklang "Stadt-Architektur-Energie" zentraler Schlüssel zur Umsetzung der Energiewende.

Wie die Energiewende ausgestalten? - drei Perspektiven, drei Interessen

Der sich anschließende Diskurs "Gebäude - Quartier - Stadt", moderiert von Jürgen Pöschk, stellte sich den neuen Anforderungen an die Energieforschung: Nicht die Technologie muss im Fokus des Handelns stehen, sondern die "Prozesse". Was damit gemeint war, wurde durch kurze Statements erläutert. So machte Bernd Düsterdiek für den Deutschen Städte- und Gemeindebund klar, dass die Kommunen im Zentrum der Energiewende stehen müssen. Sie verfügen bundesweit über ca. 176.000 kommunale Gebäude und etwa die Hälfte des kommunalen Energieverbrauchs fällt in Schulen, Kitas und Sportstätten an. Sie sind Energieerzeuger über ihre Stadtwerke, befassen sich als planende Verwaltung originär mit der Entwicklung von Quartieren, Gewerbe- und Freiflächen und gelten politisch als die bürgernächste Instanz. Doch um erfolgreich zu sein, muss der Klimaschutz dort zur Chefsache werden. Und es braucht abgestimmte Konzepte im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung. Zudem benötigen die Kommunen dringend Unterstützung: So stehen in NRW fast die Hälfte der Städte und Gemeinden unter Haushaltssicherung. Verstärkte Anreize durch Förderung - auch im Städtebau - können helfen. Dies trifft auch auf die vielen ländlichen Gemeinden zu. Denn trotz zunehmender Verstädterung leben immerhin noch 60% der Menschen auf dem Land.

Stefan Grützmacher, Vorstandsvorsitzender der Berliner GASAG, reflektierte zu Beginn seines Beitrags den Begriff der Energiewende: Darunter sei nicht nur eine "Stromwende" zu verstehen, wie vielfach wahrgenommen. Man stehe schließlich erst am Anfang. So sei in Berlin eher der Wärmemarkt Treiber von Veränderungen. Dabei entstehen für lokale und regionale Versorger neue zukunftsträchtige Geschäftsfelder, z.B. als Contractoren oder Anbieter von Wärmedienstleistungen in der Bestandsanierung. Der GasagWärme Service ist nur eine Facette der neuen Möglichkeiten. Der Versorger möchte sich zusätzlich zu seinen Kernaufgaben als "Energiemanager" in Berlin und Brandenburg aufstellen - als Anbieter medienübergreifender Energiekonzepte und als Partner der Kommunen in der Umsetzung.

Der Immobilienkonzern ABG Frankfurt gilt in Fachkreisen als "Passivhaus-Macher". Geschäftsführer Frank Junker setzt dabei vor allem auf die wirtschaftlichen Vorteile dieses Konzepts für alle Beteiligten: Für die ABG in Form geringer Betriebskosten, niedrigem Leerstandsrisiko und natürlich höherer Ertragserwartungen; aber auch für die Mieter in Form günstiger Warmmieten. Schließlich liegen die investiven Mehrkosten für Passivhäuser derzeit nur 5 – 8 Prozent höher als bei vergleichbaren Neubauten gemäß der EnEV 2009. Jedoch laufen längst nicht alle ABG-Neubau- und Sanierungsprojekte auf das Passivhaus-Konzept hinaus. Neben der Nachfrage entscheiden Lage und Mietniveau maßgeblich über den baulichen und energetischen Standdard.

In der Diskussion kamen neben dem Für und Wider der Rekommunalisierung von Netzen und Erzeugungsanlagen vor allem die offenen Fragen der Energiewende-Diskussion zur Sprache: Ist sie bereits Chefsache? Sollte die Klimaneutralität des Gebäudebestands verpflichtendes Ziel sein? Kommt den Kommunen eine neue Rolle in der Akteurskoordinierung zu? Und: Wo und wozu werden politische Unterstützung und wissenschaftliche Expertise benötigt?

Von D-A-CH bis ISIS, von Aachen bis Weimar...

Neben den Plenumsvorträgen wurden zwei Posterrundgänge angeboten. Heike Erhorn-Kluttig vom Fraunhofer IBP und Dr. Peter Bretschneider vom Fraunhofer IOSB stellten die Poster ausgewählter Forschungsvorhaben aus EnEff:Stadt und EnEff:Wärme vor. Sie waren in 8 Themen- und Anwendungsbereiche gruppiert: Von internationalen Projekten bis hin zu Planungshilfsmitteln. Die Projektleiter der Pilotvorhaben standen anschließend im Eichensaal Rede und Antwort.

HighTech, Slowfood und Gesang

Am Nachmittag des ersten Tages wurde eine Busexkursion zum Standort des EnEff:Stadt-Projekts in Berlin-Adlershof angeboten. An fünf Stationen im Gebiet des Wirtschafts-, Wissenschafts- und Medienstandorts berichteten Experten Fachkundiges über das Heizkraftwerk der BTB, das Zentrum für Photovoltaik und erneuerbare Energien, das Physikgebäude der Humboldt-Universität mit Klimafassade zur Raumtemperierung, über das Marktumfeld des Photovoltaik-Pioniers Solon, den Projekten der Younicos AG sowie den Berliner Elektronenspeicherring (BESSY). An die Exkursion schloss sich eine Abendveranstaltung mit kulturellen Beiträgen an. Zuvor stellte jedoch Prof. Dr. Felix Ziegler von der TU Berlin das Projekt "Energieeffizienz Berlin-Adlershof 2020" vor. Nach einer Replik auf den allzu gern verwendeten Begriff des "Leuchtturm-Projekts" bekannte er sich zur Vision "Kein Wärmestrom ohne wirtschaftliche Nutzung" - einer Vision im System, die ohne Einbindung flexibler Speicheroptionen nicht real werden kann. Sie stand Pate für die Projektziele am Technologiestandort Adlershof. Zusammen mit der geballten Kompetenz von 50 Firmen und Instituten im Bereich Energietechnologie konnten die Macher des Projekts ein Aktionsprogramm für Energieeffizienz entwerfen, das bis 2018 umgesetzt werden soll. Die Maßnahmen reichen dabei vom Energiemanagement und "offenen Wärmenetzen" bis hin zur innovativen Gebäudekühlung.

Grau ist die Theorie, entscheidend der Flottenverbrauch

Der zweite Tag des Kongresses begann mit ersten projektübergreifenden Analysen des EnEff:Stadt-Begleitforschungsteams zum Thema "Gebäude und Quartier". Hans Erhorn vom Fraunhofer IBP unterstrich die Bedeutung des Quartiers im Vergleich zu Einzelobjektlösungen. Ihre oft komplexe bauliche und Nutzungsstruktur kann geeignete Lösungen erschweren, birgt andererseits aber auch Synergieeffekte - nicht nur bilanziell, sondern auch im realen Zusammenwirken der unterschiedlichen Verbraucher. Entscheidend ist immer der mittlere Verbrauch der Objekte, der Flottenverbrauch. Dadurch werden häufig geringere Investitionen erforderlich, die gleichzeitig niedrigere Verbrauchskosten zur Folge haben können. Erhorn gab einen Überblick über die Auswahl der EnEff:Stadt-Demonstrationsvorhaben, ihre Zusammensetzung und Typbildung. Er beschrieb das energetische Niveau der Vorhaben, die eingesetzten Technologien und besondere bauliche wie Infrastrukturmaßnahmen. So sind in sämtlichen Projekten Wärmenetze vorhanden; 64% nutzen Nahwärme-Lösungen, 36% die Fernwärme. Eine energetische Auswertung von 10 ausgewählten Projekten auf Basis erster belastbarer Rechen- und Messergebnisse ergab Aussagen darüber, wie die Projekte die EnEff:Stadt-Anforderungen an die Primärenergieeffizienz ("Reduzierung um mehr als 30%") erreichen. Ein erstes Fazit dazu: Der Primärenergiebedarf sinkt im Mittel um mehr als 60%, der Endenergiebedarf für die Wärmeerzeugung um mehr als 40%. Der Strombedarf sinkt und wird zusätzlich substituiert durch lokale erneuerbare Energien. Es gibt jedoch keine Ideallösung, so dass die Begleitforschung Konzeptstudien vor Festlegung der Quartiersstrategie dringend empfiehlt - z.B. mit Unterstützung des EnEff:Stadt Energiekonzept-Beraters für Stadtquartiere. Maßnahmen und Effekte im Detail wurden anschließend aus drei ausgewählten Projekten vorgestellt.

Hans-Otto Kraus, Geschäftsführer der Münchner GWG, präsentierte per Videoclip die erfolgreiche energetische Sanierung und Nachverdichtung des Quartiers Lilienstraße Nord in München-Haidhausen. Ziel war eine CO2-neutrale Wärmeversorgung und die Senkung des Primärenergieverbrauchs um 50% gegenüber dem Sollwert eines Neubaus. Die Versorgung der 1960er Jahre Wohnungen erfolgt nun zu 70% über oberflächennahe Geothermie. Der letzte Bauabschnitt wird im März 2014 fertig gestellt sein.

Renate Bräu von der Freiburger Stadtbau GmbH schilderte die Sanierung im Stadtteil Weingarten West, gebaut in den Jahren 1965-1968 mit insgesamt 1.200 Wohnungen in z.T. hochverdichteter Bauweise. Ausgangspunkt des Projekts waren steigende Mieten und Nebenkosten sowie eine überalterte Bewohnerstruktur. Mit der Sanierung verbindet sich explizit ein sozialer Anspruch: Reduzierung der Energieverbräuche und Nebenkosten bei bezahlbaren Mieten. Pilotprojekt war zweifelsohne die Hochhaussanierung Bugginger Straße 50 mit dem Ziel "Heizwärmeverbrauch 15 kWh/m²a, d.h. Passivhaus-Standard". Erfreuliches Ergebnis: Die prognostizierten Energieverbräuche werden eingehalten und die Bewohner sind zufrieden - Dank einer umfangreichen sozialen Begleitung.

Das Modellprojekt "Altes Zöllnerviertel" wurde von Martin Mölders, Max-Zöllner-Stiftung Weimar vorgestellt. Dort soll die Machbarkeit einer hoch effizienten energetischen Sanierung von Altbauten im innerstädtischen Bereich mit Mischstruktur demonstriert werden. Grundlage war die Erstellung eines Energiekonzept für das Alte Zöllnerviertel, das zu einer möglichst energieeffizienten Versorgung des Gebiets auf der Basis regenerativer Energien, ggf. Kraft-Wärme-Kopplung und dem Aufbau eines Nahwärmenetzes führen soll. Hinzu kommen die energetische Sanierung des Immobilienbestands der Max-Zöllner-Stiftung und einzelne Neubauten im Passivhausstandard. Nach umfangreicher Bestandsaufnahme wurden erste Energiebilanzen erstellt und eine Gesamt-Energieeinsparung von 56 % errechnet.

New York, Rio, Tokio

Der folgende Programmpunkt war einem "Blick über den Tellerrand" gewidmet. Dr. Reinhard Jank aus dem Begleitforschungsteam EnEff:Stadt präsentierte einen Strauß internationaler Stadtenergie- und Klimaschutzprojekte und zugleich einen Überblick über internationale kommunale Aktivitäten - von der Internationalen Klimaallianz über den European Energy Award (eea), EU- und IEA-Programme bis hin zum Kooperationsprojekt D–A–CH. Neu ist das Programm "HORIZON 2020“ der EU, das ab Dezember 2013 alte Förderprogramme ersetzt und vereinfachen soll. Im Förderbereich Energie ist allein das Thema "Smart Cities & Communities" mit 700 Mio. Euro dotiert. Als internationale Aktivität von EnEff:Stadt wurde in den Jahren 2009–2013 der IEA EBC Annex 51 „Case Studies and Guidelines for Energy Efficient Communities“ bearbeitet. Ergebnis ist u.a. ein „Guidebook on Successful Urban Energy Planning“ auf Basis von über 20 evaluierten Fallstudien der 11 Partnerländer. Eine dieser Case studies - Aarhus in Dänemark - wurde detailliert vorgestellt. Ein ganz aktuelles Beispiel internationaler Zusammenarbeit ist die sog. "D A CH-Kooperation" der Städte Karlsruhe, Salzburg und Winterthur. Bis Ende 2014 wird der Erfolg ihrer bisherigen Stadt-Projekte gemessen und bewertet - unterstützt von den in den drei Ländern zuständigen Bundesministerien.

Zukunft Netz - Wege zur optimalen Versorgungslösung

Carsten Beier vom Fraunhofer-Institut UMSICHT, zugleich Projektleiter der EnEff:Stadt-Begleitforschung, führte in den zweiten Teil der Querschnittsanalysen ein: "Energieinfrastruktur - Netze und Speicher". Ausgehend von der Frage "Warum Quartiere?" und "Was kann das Quartier zur Energiewende beitragen?" fokussierte sein Beitrag auf die Quartiers-Energieversorgung und die Nutzung vorhandener Systeme. Schon ein erster Blick auf die Projekte zeigt, dass die unterschiedlichsten Versorgungstechnologien genutzt werden. Dies verdeutlicht einerseits die erhöhte Komplexität, vor der der Planer steht. Andererseits bieten sich Chancen durch mehr Anlagenkombinationen - wie höhere Preisunabhängigkeit, vermehrte Erlösquellen und eine größere Flexibilität in der Betriebsführung. Entscheidend ist also die Quartiers-individuelle Konfiguration und der Weg zur optimalen Versorgungslösung. Es gilt, die Vor- und Nachteile einer zentralen Energieversorgung für Wohnblock, Quartier oder Stadtteil sorgsam abzuwägen und in einen Planungsprozess einzuspeisen, der Alternativen zulässt. Dazu zählt aktuell vor allem die dezentrale Einspeisung in Wärmenetze aus erneuerbaren Quellen.

In der Gemeinde Wüstenrot bei Heilbronn wurde nachgewiesen: Der ländliche Raum hat das Potenzial für Energiesparaktionen - trotz des kontrovers diskutierten Ziels "Energieautark bis 2020". Dies machte Dr. Dirk Pietruschka von der Hochschule für Technik in Stuttgart deutlich. Im Projekt "EnVisaGe" soll eine belastbare Roadmap für eine energieautarke bzw. Plusenergie Gemeinde Wüstenrot im Jahr 2020 entwickelt und in einem Energienutzungsplan für Wüstenrot festgeschrieben werden. Modellhaft umgesetzt wird dafür eine Plusenergiesiedlung mit kalter Nahwärmeversorgung über ein Agrothermiewerk und intelligentes Lastmanagement. Die Maßnahmen sollen bis 2016 über ein erweitertes Monitoring evaluiert werden.

Im Projekt "Modellstadt 25+ Lampertheim" steht die Entwicklung eines Planungswerkzeugs im Vordergrund, dies betonte Stefan Krengel von der RWTH Aachen. Mit seiner Hilfe sollen künftige Energieversorgungssysteme technisch-wirtschaftlich optimiert werden. Es soll die Erstellung ganzheitlicher Energiekonzepte bzw. Konzeptvarianten für typische Quartiere unterstützen und standardisierte Lösungen ableiten können. Mittels Modellentwicklung und -validierung soll eine Übertragbarkeit auf über 300 Mittelstädte in Deutschland gewährleistet werden. Realisiert wird das Planungswerkzeug am Beispiel der Stadt Lampertheim: Mit einer Bestandsaufname der Einzelgebäude, Vorschlägen für optimierte Energieversorgungslösungen und einer Analyse der elektrischen Netze. Die Ergebnisse fließen ein in konkrete Handlungsempfehlungen für Einzelgebäude und Quartiere sowie eine Informationsgrundlage für die Stadt.

Das Projekt "Smart Area Aachen" richtete den Blick über das Thema Wärme hinaus auf die Zukunft elektrischer Versorgungssysteme. Es erforscht beispielhaft technische Lösungen für den künftigen Netzbetrieb auf der Mittel- und Niederspannungsebene. Laut Dr. Andreas Nolde von BET in Aachen besteht die Herausforderung für Netzbetreiber in Zukunft darin, dass sich die Stromerzeugung durch fluktuierende dezentrale Einspeisungen von der Übertragungs- in die Verteilnetzebene verlagert. Damit entstehen neue Anforderungen an den Netzbetrieb - z.B. einer stark dynamischen Netzauslastung - und in dessen Folge eine große Bandbreite von Belastungsszenarien. Notwendig sind entweder ein Netzumbau, -ausbau oder neue intelligente Lösungen für den Netzbetrieb ("Smart Grid"). Mit dem Projektverbund "Smart Area Aachen" soll ein System aus Stromversorgung und Kommunikationstechnik aufgebaut und die dazu notwendigen Konzepte zur Steuerung, Regelung und Netzbetriebsführung entwickelt werden.

Vom Einzelprojekt in die Fläche

Aus Sicht des kommunalen Praktikers gab Albert Geiger, Leiter des Referats Nachhaltige Stadtentwicklung der Stadt Ludwigsburg, wichtige Impulse für den Sprung vom Einzelprojekt in die Fläche. Erfolge in singulären kommunalen Projekten sind in Kooperation mit Politik und Wissenschaft machbar. Das habe nicht zuletzt die Forschungsinitiative EnEff:Stadt bewiesen. Doch wie können mehr Städte und Gemeinden motiviert werden, Projekte zu starten und sich zu vernetzen? Für die übergeordnete Politik heißt das vor allem, die Potenziale vor Ort zu nutzen - in Ludwigsburg ist das z.B. die langjährige Erfahrung mit Konversionsprojekten und partizipativen Prozessen in der Stadt- und Stadtteilentwicklung. Schließlich ist die Kommune die bürgernächste Ebene. "Hier entstehen Mehrheiten in gesellschaftlichen Debatten wie dem Klimaschutz". Doch auch in den kommunalen Verwaltungen muss ein Umdenken einsetzen. Sie müssen sich auch in der Breite besser aufstellen, Bewährtes ergänzen und sich noch weiter professionalisieren, um z.B. kompetenter Partner der Wirtschaft zu werden. Denn Investoren verlangen heute nachhaltige Rahmenbedingungen von Kommunen - auch im Bereich Energie. Stadtentwicklungs- und Klimaschutzkonzepte oder kommunale "Masterpläne Energie" sind dafür hervorragende Referenzen. Sie stehen für klare Ziele, Planungssicherheit und verbindliches Handeln aller Beteiligten. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist jedoch die Teilhabe der Bürger. Man muss sich mit dem Bürger ins Gespräch begeben: "Anlassfrei - aber nicht ohne Inhalt!"

Förderkonzept EnEff:Stadt weiterentwickeln

Zum Abschluss des zweiten EnEff:Stadt-Kongresses, der "ersten wichtigen energiepolitischen Veranstaltung in der neuen Legislaturperiode" zog Frau Dr. Rodoula Tryfonidou, BMWi, ein erstes Fazit: Es sei wichtig gewesen, sich auszutauschen und Strategien zu diskutieren - vor allem vor dem Hintergrund der neuen energiepolitischen Ausrichtung der Bundespolitik. So soll z.B. die Energieeffizienz mehr Gewicht erhalten. Die Energieforschung wird im Koalitionsvertrag erstmals als wichtiges Instrument der Energiepolitik erwähnt - verbunden mit dem Auftrag, sie konsequent auf die Energiewende auszurichten und neue, thematisch übergreifende und systemorientierte Forschungsansätze aufzugreifen. Die Forschungsinitiative EnEff:Stadt ist dafür Beispiel gebend: Mit ihren multidisziplinären Problemstellungen, ihrer wissenschaftlichen Expertise und ihrer Interdisziplinarität steht sie für Innovation im Praxistest bei gleichzeitger Vernetzung aller Akteure - ein "Testlabor der Energiewende". Um den neuen Anforderungen nachzukommen, soll das Förderkonzept EnEff:Stadt evaluiert und weiterentwickelt werden. Dies betrifft die zukünftige Kommunikation der Stadtenergieforschung, die Förderinstrumente und Vernetzungsmechanismen genauso wie die gewünschte Einbeziehung der Bundesländer, internationale Aspekte und die wissenschaftliche Begleitforschung. Frau Dr. Tryfonidou dankte den beteiligtenden Institutionen für die erfolgreiche Organisation und Gestaltung des Kongresses sowie den Vortragenden, Projektleitern und allen Teilnehmern für ihre sachkundigen Beiträge.


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