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Eine Militärbrache auf dem Weg zur Nullenergiestadt

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Bereits saniertes Wohngebäude mit Solaranlage und Holzfertigteil-Fassadensanierungselementen
© B&O Wohnungswirtschaft, RK-Stuttgart
Beim Planungsgebiet handelt es sich um einen aufgelassenen ehemaligen amerikanischen Militärstützpunkt im Stadtteil Mietraching mit einer Gesamtfläche von 70 Hektar. Die meisten Wohngebäude in dieser kleinen autarken Garten-Stadt stammen aus den 30er Jahren, da der Stützpunkt 1936 ursprünglich als deutscher Fliegerhorst errichtet worden war. Der erste Planungsabschnitt befasst sich mit dem sog. Wohlfühlquartier im Norden. Hier soll das bereits bestehende Hotel zu einem Tagungshotel umgebaut, die bestehende Wohnbebauung modernisiert sowie energetisch optimiert werden. Ergänzt wird dieses Quartier durch zusätzliche Wohn- und Ferienhäuser in Passivbauweise sowie ein Wellnesszentrum. Durch die grundlegende Modernisierung der Nahwärmezentrale mit Einbindung regenerativer Energien, die Nutzung des vorhandenen Verteilernetzes und den hochwertigen Wärmeschutz aller Gebäude soll der Gedanke der Nullenergiestadt Wirklichkeit werden.
Siedlungssteckbrief
| Projektstatus | |
|---|---|
| Standort der Kommune | Stadt Bad Aibling, 83043 Bad Aibling, Landkreis Rosenheim, Regierungsbezirk Oberbayern, Bayern |
| Kommune in Zahlen | Fläche: 41,55 km², 18.000 Einwohner, 28 Stadtteile |
| Träger | B&O Wohnungswirtschaft GmbH & Co KG München |
| Siedlungstyp | Militärbrache |
| Nutzungstyp | Mischgebiet: ehemaliger Militärstützpunkt, künftiges Quartier mit Mischnutzung Wohnen, Gewerbe und Dienstleistungen, Fremdenverkehr |
| Siedlungsgröße [ha] vorher | 70 |
| Bruttogrundfläche [m²] vorher | 70.000 |
| Wohnfläche [m²] vorher | 23.500 |
| Büro-Gewerbefläche [m²] vorher | 34.500 |
| Fläche Soziale Infrastruktur [m²] vorher | 9.000 |
| Fläche Gastronomie [m²] vorher | 5.000 |
| Zahl der Wohneinheiten vorher | 183 |
| Zahl der Arbeitsplätze vorher | 800 |
| Altersstruktur | ca. 60% 1915–1948 errichtet, ca. 40% Nachkriegsgebäude, deutsche Bauvorschriften haben für die amerikanische Militärbasis nicht gegolten |
| Bau- und Sanierungszustand | baulicher Zustand gut, Wärmeschutz unbefriedigend, TGA veraltet |
| Heizungssysteme | Fernwärmezentrale Gas/Öl soll umgestellt werden |
| Eigentumsverhältnisse | Mehrheitlicher Eigentümer ist die B&O Wohnungswirtschaft. Die Immobilien sollen teils selbst genutzt, teils vermietet, teils verkauft werden. |
| Projektthemen |
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Projektbeschreibung
Ausgangszustand
Mit Wärme versorgt wurde das Areal durch eine gas- oder ölbefeuerte Nahwärmestation mit 3 Kesseln von je 6.500 kW Leistung; also insgesamt 19,5 MW. Dieses Nahwärmesystem ist Mitte der 90er Jahre grundlegend saniert worden und befindet sich in gutem Zustand. Genauso wie die Wärmeerzeugung insgesamt jedoch deutlich überdimensioniert ist, sind die Haus-oder Blockübergabestationen mit überreichlich Technik in viel zu großen Leistungsklassen ausgestattet. Ein 6,5 MW-Kessel wurde stillgelegt und ein zweiter von 6,5 auf 3 MW umgebaut.
Dimension und Qualität
Im heutigen Zustand beträgt die gesamte Wohnfläche 23.500 m². An Büro- und Gewerbefläche sind 34.500 m² vorhanden. Hinzu kommen 9.000 m² im sozialen Bereich (Kindergarten, Schulen, medizinische Versorgung) sowie 5.000 m² Gastronomie. Insgesamt summiert sich die Wohn- und Nutzfläche damit auf rund 72.000 m², verteilt auf 52 Gebäudekomplexe bzw. Wohnanlagen.
Eine Berechnung nach EnEV 2007 weist für ein typisches Wohngebäude des Fördergebietes einen Endenergiebedarf von 351 kWh/m²a und einen Primärenergiebedarf von 459 kWh/m²a aus. Der Anforderungswert der EnEV an den Primärenergiebedarf liegt dagegen bei 130 kWh/m²a (für Sanierungen). Ähnliches gilt für die Bürogebäude. Insgesamt werden durch die geplanten Sanierungen auf EnEV-Neubauniveau (= 71% des Altbaugrenzwertes), Niedrigexergie- und Passivhausniveau Einsparpotenziale von weit über 50% erzielt.
Zielsetzung
Diese Zielsetzung soll durch die Umsetzung hoher energetischer Standards und den Einsatz innovativer Technologien, die Nutzung moderner Methoden für das Projektmanagement und den Einsatz moderner - Planungsinstrumente erreicht werden. Hinzu kommen soll ein systematisches Monitoring des gesamten energetischen Systems des Stadtteils.
Energiekonzept
Für die Optimierung der Energieerzeugung wurden alternativ zu einer Kesselmodernisierung und Weiternutzung bestehender Anlagen drei Konzepte entwickelt:
- Biomassegefeuerte ORC-Anlage, solare TWW-Vorwärmung auf Gebäudeebene, TWW-Nacherwärmung über das Nahwärmenetz, Nutzung des bestehenden Gaskessels für die Winterspitzenlast,
- Solare Einspeisung in das Netz bei 100% sommerlicher Bedarfsdeckung, BHKW für die Wärmegrundlast Heizung, bestehender Gaskessel für die Winterspitzenlast,
- Solare Einspeisung in das Netz, saisonale Solarwärmespeicher, TWW-Nachwärmung/Nachheizung über dezentrale Wärmepumpen, Nutzung des vorhandenen Gaskessels bei leeren Solarspeichern und ungünstiger Wärmepumpen-Arbeitszahl, d.h. flexible Wärmerzeugung nach Bedarf und Bedingungen.
Zudem soll die Erweiterung des Wasserkraftwerks Spitzingsee für die Energieversorgung des Quartiers berücksichtigt werden.
Aufgrund der historischen Nutzung des Quartiers als amerikanische Militärbasis sind keine Daten für den vorherigen energetischen Zustand bekannt bzw. erhältlich. Abschätzungen zur energetischen Qualität typischer Gebäude sind der folgenden Tabelle zu entnehmen.
Kenndaten Energie
| vorher | Potenzial | nachher | Einheit | |
| Summierte Energiebezugsfläche (Bruttogrundfläche) | 70.000,00 | m² | ||
|---|---|---|---|---|
| Berechneter Endenergiebedarf typischer Wohngebäude (nach EnEV 2007) | 351,00 | 130,00 | kWh/m²a | |
| Berechneter Primärenergiebedarf typischer Wohngebäude (nach EnEV 2007) | 459,00 | kWh/m²a | ||
| Berechneter Endenergiebedarf typischer Bürogebäude (nach EnEV 2007) | 268,00 | 89,00 | kWh/m²a | |
| Berechneter Primärenergiebedarf typischer Bürogebäude (nach EnEV 2007) | 351,00 | kWh/m²a | ||
| Berechneter Endenergiebedarf der Sport- und Veranstaltungshallen (nach EnEV 2007) | 250,00 | 95,00 | kWh/m²a | |
| Berechneter Primärenergiebedarf der Sport- und Veranstaltungshallen (nach EnEV 2007) | 275,00 | kWh/m²a |









