Navigationsabkürzungen:

Hauptinhalt:

vor

Eine Militärbrache auf dem Weg zur Nullenergiestadt

Zu sehen ist ein bereits saniertes Wohngebäude auf dem Areal des ehemaligen Militärstützpunkts mit  Solaranlage und Holzfertigteil-Fassadensanierungselementen

Bereits saniertes Wohngebäude mit Solaranlage und Holzfertigteil-Fassadensanierungselementen

© B&O Wohnungswirtschaft, RK-Stuttgart

Siedlungssteckbrief

Quartier
Projektstatus Konzept
Standort der KommuneStadt Bad Aibling, 83043 Bad Aibling, Landkreis Rosenheim, Regierungsbezirk Oberbayern, Bayern
Kommune in ZahlenFläche: 41,55 km², 18.000 Einwohner, 28 Stadtteile
TrägerB&O Wohnungswirtschaft GmbH & Co KG München
SiedlungstypMilitärbrache
NutzungstypMischgebiet: ehemaliger Militärstützpunkt, künftiges Quartier mit Mischnutzung Wohnen, Gewerbe und Dienstleistungen, Fremdenverkehr
Siedlungsgröße [ha] vorher70
Bruttogrundfläche [m²] vorher70.000
Wohnfläche [m²] vorher23.500
Büro-Gewerbefläche [m²] vorher34.500
Fläche Soziale Infrastruktur [m²] vorher9.000
Fläche Gastronomie [m²] vorher5.000
Zahl der Wohneinheiten vorher183
Zahl der Arbeitsplätze vorher800
Altersstrukturca. 60% 1915–1948 errichtet, ca. 40% Nachkriegsgebäude, deutsche Bauvorschriften haben für die amerikanische Militärbasis nicht gegolten
Bau- und Sanierungszustandbaulicher Zustand gut, Wärmeschutz unbefriedigend, TGA veraltet
HeizungssystemeFernwärmezentrale Gas/Öl soll umgestellt werden
EigentumsverhältnisseMehrheitlicher Eigentümer ist die B&O Wohnungswirtschaft. Die Immobilien sollen teils selbst genutzt, teils vermietet, teils verkauft werden.
Projektthemen

Projektbeschreibung

Ausgangszustand

Mit Wärme versorgt wurde das Areal durch eine gas- oder ölbefeuerte Nahwärmestation mit 3 Kesseln von je 6.500 kW Leistung; also insgesamt 19,5 MW. Dieses Nahwärmesystem ist Mitte der 90er Jahre grundlegend saniert worden und befindet sich in gutem Zustand. Genauso wie die Wärmeerzeugung insgesamt jedoch deutlich überdimensioniert ist, sind die Haus-oder Blockübergabestationen mit überreichlich Technik in viel zu großen Leistungsklassen ausgestattet. Ein 6,5 MW-Kessel wurde stillgelegt und ein zweiter von 6,5 auf 3 MW umgebaut.

Dimension und Qualität

Im heutigen Zustand beträgt die gesamte Wohnfläche 23.500 m². An Büro- und Gewerbefläche sind 34.500 m² vorhanden. Hinzu kommen 9.000 m² im sozialen Bereich (Kindergarten, Schulen, medizinische Versorgung) sowie 5.000 m² Gastronomie. Insgesamt summiert sich die Wohn- und Nutzfläche damit auf rund 72.000 m², verteilt auf 52 Gebäudekomplexe bzw. Wohnanlagen.

Eine Berechnung nach EnEV 2007 weist für ein typisches Wohngebäude des Fördergebietes einen Endenergiebedarf von 351 kWh/m²a und einen Primärenergiebedarf von 459 kWh/m²a aus. Der Anforderungswert der EnEV an den Primärenergiebedarf liegt dagegen bei 130 kWh/m²a (für Sanierungen). Ähnliches gilt für die Bürogebäude. Insgesamt werden durch die geplanten Sanierungen auf EnEV-Neubauniveau (= 71% des Altbaugrenzwertes), Niedrigexergie- und Passivhausniveau Einsparpotenziale von weit über 50% erzielt.

Zielsetzung

Diese Zielsetzung soll durch die Umsetzung hoher energetischer Standards und den Einsatz innovativer Technologien, die Nutzung moderner Methoden für das Projektmanagement und den Einsatz moderner - Planungsinstrumente erreicht werden. Hinzu kommen soll ein systematisches Monitoring des gesamten energetischen Systems des Stadtteils.

Energiekonzept

Für die Optimierung der Energieerzeugung wurden alternativ zu einer Kesselmodernisierung und Weiternutzung bestehender Anlagen drei Konzepte entwickelt:

  1. Biomassegefeuerte ORC-Anlage, solare TWW-Vorwärmung auf Gebäudeebene, TWW-Nacherwärmung über das Nahwärmenetz, Nutzung des bestehenden Gaskessels für die Winterspitzenlast,
  2. Solare Einspeisung in das Netz bei 100% sommerlicher Bedarfsdeckung, BHKW für die Wärmegrundlast Heizung, bestehender Gaskessel für die Winterspitzenlast,
  3. Solare Einspeisung in das Netz, saisonale Solarwärmespeicher, TWW-Nachwärmung/Nachheizung über dezentrale Wärmepumpen, Nutzung des vorhandenen Gaskessels bei leeren Solarspeichern und ungünstiger Wärmepumpen-Arbeitszahl, d.h. flexible Wärmerzeugung nach Bedarf und Bedingungen.

Zudem soll die Erweiterung des Wasserkraftwerks Spitzingsee für die Energieversorgung des Quartiers berücksichtigt werden.

Aufgrund der historischen Nutzung des Quartiers als amerikanische Militärbasis sind keine Daten für den vorherigen energetischen Zustand bekannt bzw. erhältlich. Abschätzungen zur energetischen Qualität typischer Gebäude sind der folgenden Tabelle zu entnehmen.

Kenndaten Energie

vorherPotenzialnachherEinheit
Summierte Energiebezugsfläche (Bruttogrundfläche)70.000,00  
Berechneter Endenergiebedarf typischer Wohngebäude (nach EnEV 2007)351,00130,00 kWh/m²a
Berechneter Primärenergiebedarf typischer Wohngebäude (nach EnEV 2007)459,00  kWh/m²a
Berechneter Endenergiebedarf typischer Bürogebäude (nach EnEV 2007)268,0089,00 kWh/m²a
Berechneter Primärenergiebedarf typischer Bürogebäude (nach EnEV 2007)351,00  kWh/m²a
Berechneter Endenergiebedarf der Sport- und Veranstaltungshallen (nach EnEV 2007)250,0095,00 kWh/m²a
Berechneter Primärenergiebedarf der Sport- und Veranstaltungshallen (nach EnEV 2007)275,00  kWh/m²a

Zusätzliche Informationen:

Projektleitung, -steuerung
B&O-Wohnungswirtschaft Bad Aibling
Gesamtkonzept, Projektsteuerung
RK-Stuttgart Architekten und Ingenieure
Versorgungskonzept
GEF Ingenieur AG
Architektur, Stadtentwicklung
Schankula - Architekten / Diplomingenieure
TGA, Versorgungstechnik
B&O-Wohnungswirtschaft München, Chemnitz, Berlin
Energietechnik, Regelung/Steuerung, Visualisierung
Enwerk GmbH
Evaluierung
Hochschule Rosenheim
  • Zu sehen ist ein Luftbild des ehemaligen amerikanischen Militärstützpunkts in Bad Aibling, Juli 2007
  • Hier ist das Fördergebiet der künftigen Nullenergiestadt zu sehen.
  • Das städtebauliche Konzept vom März 2008
  • Hier sehen Sie eine Schnittansicht des geplanten Holzhochhauses
  • Typische Bebauung des ehemaligen Militärstützpunkts
  • Die ehemaligen Unterkünfte vor Sanierung
  • Gezeigt wird das bereits in den 1990er Jahren sanierte Heizwerk, dessen früheres Kohlelager über dem Kesselhaus als Biomasse-Lager genutzt werden könnte